Remembering and selling fashion
Gender and memory in recent historical Netflix shows
In recent years, streaming services such as Netflix, Hulu and Amazon Prime offered the possibility to access internationally produced television shows and movies. One recent trend is content with a historical set or background. Although historical sets and productions have played an important role in cinematic story-telling since the early twentieth century, the immense amount of newly available digital content has a significant impact on a society's cultural memory.
Oberflächengenauigkeiten
Zum Geschichtsbild von BABYLON BERLIN
Zwei Männer sitzen beim Frühstück. Einer trägt Hausjacke mit Monogramm, der andere einen dunklen Zweireiher. Man diskutiert Weltpolitik und wird sich nicht einig: Gustav Stresemann (Werner Wölbern) und Regierungsrat Wendt (Benno Fürmann). Am Ende der Szene liegt Stresemann am Boden und Wendt schaut tatenlos zu, wie dessen Atem endgültig aussetzt. Während die historische Person Gustav Stresemann zu den wichtigsten deutschen Politiker*innen des 20.
Gewalt gegen Weimar
Ein Medien und Ausstellungsprojekt
Von der Weimarer unterscheidet die Berliner Republik vieles: die ökonomische Stabilität, die postklassische nationale Identität, die Stärke der politischen Mittel und insbesondere eine aus der Erfahrung der NS-Herrschaft und ihres völkermordenden Ausgangs erwachsene Sensibilität für historische Irrwege.
Lästern über Luxemburg ...
oder wie ungenau darf Public History sein?
Am 5. Januar 2021 erschien auf welt.de ein Artikel von Sven-Felix Kellerhoff über Rosa Luxemburg: „Sie wollte den Bürgerkrieg in Deutschland – um jeden Preis“.[1] Trotz seiner extrem kurzen Lesedauer – die Welt veranschlagt drei Minuten – enthält der Text so viele Fehler und Ungenauigkeiten, dass wir unserem Ärger darüber Ausdruck verleihen möchten. Fehler zu machen ist menschlich und parteilich zu sein kein Problem, aber wer die historische Realität so dermaßen verdreht, erweist der Public History keinen Dienst.
Berlin Alexanderplatz 2020
Über die Neuverfilmung von Döblins Klassiker im gegenwärtigen Weimar-Revival
Babylon Berlin ist zur Zeit allgegenwärtig, aber alles andere als neu. Denn der Mythos von Berlin als Babylon der Zwanziger Jahre ist weitaus älter als die Erfolgsserie der Gegenwart. Das Bild von Berlin als der „großen Hure Babylon“ geht maßgeblich zurück auf Alfred Döblins Großstadtroman „Berlin Alexanderplatz“ aus dem Jahre 1929. Kein Wunder also, dass im aktuellen Weimar-Revival nun auch Döblins Klassiker neu verfilmt wurde.
Das Ende der Schönen Heimat
Fotografien Max Baurs im Potsdam Museum
Götterdämmerung am Alten Markt: Das Potsdam Museum kleidet seine Fassade in eine schwarz-weiße Ruinenlandschaft unter dramatischem Wolkenhimmel, die im Frühjahr 2018 so gut in das Szenario aus frisch gegossenem Betonbarock und auf Abriss gestellten DDR-Beton passt. Geworben wird für die Ausstellung „Potsdam, ein Paradies für meine Kamera“ mit Fotografien von Max Baur, der hier zwischen 1934 und 1953 gelebt und gearbeitet hat.
Lenins Staat, der Wille zur Macht und die Genese totaler Herrschaft aus dem Geist des Bürgerkriegs
* Von Jan C. Behrends * April 2017 Vor hundert Jahren kehrte der selbsternannte Berufsrevolutionär Vladimir I. Uljanov, der sich den nome de guerre Lenin gegeben hatte, aus dem Schweizer Exil nach Petrograd zurück. In Zürich hatte der Emigrant eine kümmerliches Dasein am Rande der Schweizer Gesellschaft gefristet. Vor der Februarrevolution ging er zudem davon aus, dass er zu seinen Lebzeiten in Russland keine Revolution mehr stattfinden würde. Was ihm blieb war das Verfassen von Pamphleten, die Debatten mit anderen Exilanten und seine unbeholfenen Versuche, Schweizer Arbeiter zu agitieren. Doch mit dem Sturz der Autokratie änderte sich für Lenin alles. Das gesamte Russische Imperium wurde nun zum Spielfeld für revolutionäre Politik. Und Lenin hatte den Ehrgeiz, allen anderen von nun an seine eigenen Regeln aufzuzwingen....
Deutscher Kolonialismus: Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart
Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin
Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin * Von Stefan Noack * Februar 2017 Der „Deutsche Kolonialismus“ ist ein derart weites, komplexes und polarisierendes Thema, dass es unmöglich scheint, ihn im Rahmen einer einzigen Ausstellung umfassend abzubilden. Die Verantwortlichen des Deutschen Historischen Museums haben diesen Versuch gewagt und das Ergebnis ist trotz einiger Schwächen positiv zu bewerten.
Die Erfindung des Biodeutschen
Von der Ernährung zur Eugenik: Eine Tagung schöpft aus den trüben Quellen von Feminismus und Veganertum
Die Erfindung des Biodeutschen * Von Bodo Mrozek * November 2016 Als Erich Mühsam den Monte Verità bei Locarno erklomm, kam ihm „recht lächerlich“ vor, was er auf dem Berggipfel erblickte: Menschen mit langen Haaren und wallenden Bärten bar jeglicher Textilien bei der Feldarbeit. Den kommunistischen Schriftsteller Erich Weinert inspirierte die Szene wenig später zu einigen respektlosen Versen: „Wer sich von innen her beschaut / und Nietzsche liest, und Rüben kaut / was kümmern den die andern? / Juchu! Wir müssen wandern!“. Weinerts „Gesang der Edellatscher“ und Mühsams Spott, den der Essener Historiker Jürgen Reulecke auf einer Tagung über „Avantgarden der Biopolitik“ im Archiv der Jugendbewegung zitierte, scheinen einen maximalen Abstand zwischen der im Mythischen irrlichternden Lebensreform und der politischen Linken zu illustrieren. Doch der Schein trügt.