„Fremde? Bilder von den „Anderen“ in Deutschland und Frankreich seit 1871“
Eine Ausstellung im DHM vom 16. Oktober 2009 bis zum 21. Januar 2010
von
Anna Russ
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„Wer sind wir? – Wer die Anderen?“
Abgrenzung ist eine Form nationaler Identitätskonstruktion. Durch Festlegung und Abwertung der „Anderen“ werden nationale Selbstbildnisse umrissen und aufgewertet.
Die Konstruktion des Fremden als negatives Gegenbild der Mehrheitsgesellschaft ist das Thema der Ausstellung „Fremde? Bilder von den „Anderen“ in Deutschland und Frankreich“.
Das Ausstellungsprojekt wurde vom Pariser Museum für Immigration der Cité nationale de l’histoire de l’immigration initiiert und ist in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Historischen Museum in Berlin verwirklicht worden.
Zahlreiche Quellen –Postkarten, Zeitschriftenkarikaturen, Plakate, Spiel-, Dokumentar- und Propagandafilme dokumentieren die Repräsentation des „Anderen“. Darunter das Bild des „Primitiven“ der Kolonialzeit, das Bild „des Juden“ im Nationalsozialismus und das Islambild der Gegenwart.
Der Islam wird in Frankreich und Deutschland häufig mit negativen Assoziationen verbunden wie Fundamentalismus, Gewaltneigung und Unterdrückung der Frau. Diese Vorbehalte kommen etwa in der Kopftuchdebatte oder in den Konflikten um den Bau von Moscheen zum Ausdruck. Sie sind verbunden mit der Angst vor einem wachsenden Einfluss des Islams. Die Wochenzeitschrift Figaro prognostizierte schon 1985 die „Islamisierung“ der französischen Bevölkerung. Auf der Titelseite prangte das Symbol der französischen Nation, die Marianne, verschleiert. Durch die Analyse historischer Fremd- und Feindbilder regt die Ausstellung zu einer kritischen Hinterfragung der aktuellen Integrations- und Identitätsdebatten an.
Zuletzt zeigte sich die Brisanz des Themas durch einen angeblichen Fall von Zensur:
Die Wochenzeitschrift Zeit berichtete, dass der Kulturstaatsminister Bernd Neumann veranlasst habe, eine Texttafel zu ändern, die die derzeitige Einwanderungspraxis der EU als Abschottungspolitik kritisiert hatte. Stattdessen heißt es an dieser Stelle nun, dass die deutsche Einwanderungspolitik die Integration von Zuwanderern fördert. Museumsdirektor Hans Ottomeyer widersprach dem Bericht. Er selbst habe die Modifikationen der Tafel angeordnet.