Gesellschaftsgeschichte

Alle Beiträge zum Schlagwort

Teresa Koloma Beck

‚Rechte Gewalt‘?

Ein soziologischer Kommentar

In der vergleichenden Forschung zu politischer Gewalt in Deutschland spielen Unterscheidungen, die sich auf die weltanschauliche oder strategische Ausrichtung der Gewalt beziehen, eine zentrale Rolle. Gewalt gilt als ‚politisch‘, wenn sie auf die Herstellung oder Veränderung einer gesellschaftlichen Ordnung zielt, oder in diesem Sinne gedeutet wird. Und da es sehr verschiedene politische Visionen und Utopien gibt, erscheint es wichtig, diese begrifflich voneinander abzugrenzen. Der politische Horizont der Gewaltakteure wird dabei häufig zu einem Attribut der Gewalt selbst.

Natasha Klimenko

When the foundation pit is just a pit

On Andrey Gryazev’s filmic look at the pitfalls of contemporary Russia

Symbolically and physically, the fact of the foundation pit haunts Platonov's eponymous 1930s Russian-language novel. Set in a spatial abstraction of Stalin's Soviet Union, the novel questions the future of the socialist utopia, setting the project of building the future against its cost. Platonov depicts the lives rendered meaningless in the process, at times to the point of brutal sacrifice. Humans are reduced to work and instrumentalised for a future out of sight. The builders do not move past the hole they are digging, which is meant to support a housing complex.

Sophie Genske

Queer History

Editorial zum Pride Month 2020

Einundfünfzig Jahre nach dem sogenannten Stonewall-Aufstand der Queer Community in New York City am 28. Juni 1969 hätten im Sommer diesen Jahres wieder international Pride Parades stattgefunden, wären Events und Proteste dieser Größe nicht nach wie vor nahezu weltweit untersagt. Aufgrund der Corona-Pandemie muss der Christopher Street Day auch in Deutschland entweder verschoben oder anders als üblich gefeiert werden.

Elisabeth Kimmerle

Osman Kavala: Symbolfigur für eine andere, offene Türkei

Eine Solidaritätskampagne für die Freilassung des türkischen Mäzens von Shermin Langhoff und Fatih Akın

„What did Kavala do?“ Diese Frage werfen die Intendantin des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, Shermin Langhoff, und der Regisseur Fatih Akın mit der Initiative „Artists United for Osman Kavala“ in ihrer Solidaritätskampagne für die Freilassung des türkischen Kulturstifters auf. Seit mittlerweile fast 1.000 Tagen ist Kavala im türkischen Hochsicherheitsgefängnis Silivri inhaftiert, ohne dass es belastbare Beweise für die ungeheuerlichen Anschuldigungen gäbe.

Peter Ulrich Weiß

Showtime

Die DDR als mediales Erbe im TV

Als „Gedächtnismaschine“ (Leif Kramp) prägt das Fernsehen nicht nur die Wahrnehmung und Interpretation tagesaktueller Momente, sondern auch die Erinnerungskultur einer (zuschauenden) Gesellschaft und ihre Perzeption der Historie. Dies gilt auch für Ostdeutschland und seine DDR-Vergangenheit. Doch deren fernseh-mediale Repräsentation steht seit Jahrzehnten in der Kritik.

Nils Theinert

„Wir waren gut behütet“

Die DDR in Sozialen Medien

Nostalgische Alltagserinnerungen an die DDR standen seit den frühen1990er Jahren unter dem Verdacht der Verharmlosung der SED-Diktatur. Obwohl diese sehr einseitige Sichtweise durch die Forschung mittlerweile weitgehend entkräftet ist und ein differenzierteres Bild von Erinnerung Einzug gehalten hat, fällt noch immer eine gewisse Exotisierung ostdeutscher Erinnerungspraktiken auf.

Tom Koltermann

Ausverkauf des Ost-Erbes?

Spurensuche zur Privatisierung des VEB Deutsche Schallplatten nach 1989

Die zur Umbruchszeit verschmähte Popmusik der DDR erlebte ab Mitte der 1990er Jahre eine bemerkenswerte Renaissance. Unter der Genrebezeichnung „Ostrock“ wurden sehr verschiedene Musiker*innen mit ostdeutschem Hintergrund erfolgreich vermarktet. Erlebte dieser Teil des DDR-Musikerbes damit ein bemerkenswertes Fortleben, bestimmte hingegen in Vertrieb und Produktion nicht Kontinuität, sondern Bruch und Veränderung die Zeit nach 1989. Im Schatten der allgemeinen Transformationsgeschichte Ostdeutschlands fand ein musikwirtschaftlicher Überlebenskampf statt.

Alexandra Klei, Katrin Stoll, Annika Wienert

Der 8. Mai, ein staatlicher Feiertag?

Kritische Anmerkungen zum Begriff der Befreiung im Kontext der deutschen Gedenkkultur

Esther Bejarano forderte am 26. Januar 2020 in einem offenen Brief an „die Regierenden und alle Menschen, die aus der Geschichte lernen wollen“, dass der 8.

René Schlott

Die Hölle, das sind die anderen...

Gedanken am Ostermorgen

Zu den weniger geläufigen Zeilen aus Goethes bekanntem Osterspaziergang gehören jene, die der Dichter den Menschen seiner Zeit widmete:

Nikolai Okunew, Nils Theinert

Die Pandemie als Generationenkonflikt?

Von „Corona-Partys“ und Moral Panics

Abgesehen von Streamingserviceprovidern, Online-Versandhäusern und Toilettenpapierherstellern gibt es in Zeiten einer globalen Pandemie nur für wenige Menschen Gründe, irgendetwas zu feiern. Dennoch wabert ein besorgniserregendes Phänomen durch die deutsche Medienlandschaft. Ein Phänomen, das suggeriert, dass einige unserer Mitbürger*innen die massiven Maßnahmen zur Verlangsamung der Ausbreitung von Sars-Cov-2 in den Wind schlagen und feiern. In den Medien hat sich dieses Phänomen mit dem Begriff der „Corona-Party“ verbreitet.