Alltag

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Pavel Kolář

Kultur und Macht im Vorfeld des Prager Frühlings

Eine komplizierte Beziehung

Oft wird behauptet, der Prager Frühling sei nicht durch die Parteiführung von oben in Gang gesetzt worden, sondern durch die Intellektuellen des Landes, also eher von unten. Anders als in Ungarn 1956, in Polen 1980-81 oder die Perestroika in der UdSSR seit Mitte der 1980er Jahre, so die These, sei der Prager Frühling durch kritische WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen initiiert worden. Es ist wichtig, dieses Narrativ, nach dem es vor allem die kreativen Köpfe waren, die die Macht herausgefordert haben, in einem größeren Kontext zu betrachten.

Hanno Hochmuth

Kulenkampffs Schuhe

Die ARD zeigt eine bemerkenswerte Dokumentation von Regina Schilling

Was hat der Krieg mit den Vätern des Wirtschaftswunders gemacht? Dieser Frage nähert sich die Filmemacherin Regina Schilling in ihrem Dokumentarfilm „Kulenkampffs Schuhe[1] auf sehr private Weise. Sie erzählt anhand von Schmalfilmaufnahmen die Geschichte ihres eigenen Vaters, der in den 1920er Jahren geboren wurde, den Zweiten Weltkrieg als Soldat erlebte und sich nach dem Krieg als Drogist selbständig machte.

Konstantin Neumann

Urlaub von der Diktatur?

Ordnung und Kontrolle auf den Zeltplätzen der DDR

Einleitung

Rebecca Wegmann

„It´s time for a change - again?“

Der Anfang vom Ende des „Besten Gastgebers der Welt“. Über die Neubesetzungsdebatte des langjährigen Berlinale-Direktors Dieter Kosslick

Die Nachfolger*innen des noch amtierenden, aber bald scheidenden Festivaldirektors der Berlinale Dieter Kosslick stehen fest. Kulturministerin Monika Grütters gab am Freitag, den 22. Juni 2018 bekannt: Es wird erstmals eine Doppelspitze geben. Die künstlerische Leitung, das war bereits Anfang der Woche durchgesickert, wird künftig bei Carlo Chatrian liegen. Der 46 Jahre alte Italiener hatte seit 2012 sehr erfolgreich die Locarno Filmfestspiele geleitet. Wieder ein Mann, dem nun aber eine Frau beiseitegestellt wird.

Ekaterina Emeliantseva Koller

«Homo Sovieticus» auf dem Land

Das spätsowjetische Dorf als Leerstelle und Blackbox in der Historiographie zur sowjetischen Moderne

Die Figur eines indifferenten, angepassten Sowjetbürgers, der in der Öffentlichkeit eine Maske trägt und sein «wahres» Gesicht nur im Privaten zeigt, der sogenannte «Homo Sovieticus», gehörte lange Zeit dominant in die Beschreibung der spätsowjetischen gesellschaftlichen Textur.[1] Geschuldet war diese Sicht einer generellen dichotomischen Konzeptualisierung der sowjetischen Gesellschaft, bei der „das Volk“ und das „Regime“ in Opposition gedacht wurden.

Walter Sperling

Der verhinderte Kandidat

Alexej Nawalny als Oppositioneller, Demokrat und Volkstribun

Die Wiederwahl Wladimir Putins ist vorherzusehen. Zu groß sein Vertrauensvorsprung in Russlands „erniedrigter“ postimperialer Nation, zu mächtig die Propagandamaschinerie, die die Lust auf Revanche zu bedienen versteht. Doch das Wahljahr brachte einige Überraschungen mit sich. Darin unterscheidet sich Russland von den anderen eurasischen Wiederwahldiktaturen wie Kasachstan oder Aserbaidschan. Überraschend war der Erfolg des Oppositionellen Alexei Nawalny. Zwar wurde er nicht zur Wahl zugelassen, doch war er derjenige, der das politische Feld im letzten Jahr maßgeblich geprägt hatte.

Artemy Kalinovsky

Central Asian Peasants into Workers into gastarbaitery

On the Logics of (post)Soviet Migration Patterns

Although the outcome of the March 2018 elections in Russia is beyond doubt, it would not be much of a stretch to say that, were the contest to be more open, migration would be one of the thorniest issues. So-called gastarbaitery, meaning the labor migrants from Central Asian countries as well as parts of the Caucasus, make up a large part of the industrial workforce and the service sector in Russia. The Russian economy is now as dependent on these laborers as their home countries are on the remittances they send – which at one point was equal to half of the GDP for Tajikistan.

Juliane Fürst

Of Soviet Teddy Boys, Hippies and Resistance that Does Not Know its Name

“If you think about it, the stiliagi were the first real dissidents” wrote Soviet Vasilii Aksenov, from the vantage point of American exile, in his quasi-memoir Melancholy Baby. Vasilii Aksenov was thinking back to his youthful days in the early 1950s, when the son of two Gulag inmates arrived in Moscow as a wide-eyed provincial lad from Kazan. He soon found himself in the company of so-called ‘golden youth’, dancing the boogie-woogie in the apartments of new friends whose KGB parents had furnished them with clothes and records from the West.

Alexandra Oberländer

Totgesagte leben länger – Einmal von der Sowjetunion ins Silicon Valley und wieder zurück?

Eine Kulturgeschichte der Arbeit in der späten Sowjetunion, 1960-1980

Shuttle-Busse zur Arbeit? Mittagessen in der firmeneigenen Kantine? Zwischendurch zum Friseur auf dem Firmengelände, abends in den Fitnessklub oder ins Kino – ebenfalls bei der Firma angesiedelt? Die Tischtennisplatte, daneben der Lounge-Sessel?

Annette Schuhmann

Zum Weltfrauentag: 8. März 2018

„Yours in Sisterhood“ und die Liebe zum Archiv,... oder wie weit ist eigentlich der Weg, der noch vor uns liegt?

Eine junge Polizistin steht am Rand einer befahrenen Straße irgendwo in Amerika. Selbstverständlich ist sie bewaffnet, es glitzert nicht gerade in ihrer Umgebung.